Benelli ist einer der ältesten Motorradhersteller der Welt mit einer bewegten Geschichte, die von familiärem Zusammenhalt, großen Motorsporterfolgen und mehreren Besitzerwechseln geprägt ist.
Hier ist eine kompakte Zusammenfassung der wichtigsten Meilensteine:
1. Die Anfänge (1911–1921)
Die Geschichte begann in Pesaro, Italien. Die Witwe Teresa Benelli investierte das Familienvermögen in eine Werkstatt, um ihren sechs Söhnen (Giuseppe, Giovanni, Francesco, Filippo, Domenico und Antonio „Tonino“) eine gesicherte Zukunft zu bieten. Zunächst reparierten sie Fahrräder und Autos, doch schon bald entwickelten sie eigene Motoren. 1921 rollte das erste komplette Motorrad, die Velomotore (98 cm³), aus der Fabrik.
2. Die goldene Ära und der Rennsport (1920er–1960er)
Benelli wurde schnell zu einer festen Größe im Rennsport, vor allem durch den jüngsten Bruder Tonino, der als „il Terribile“ bekannt war und zahlreiche italienische Meisterschaften gewann.
Innovation: 1927 revolutionierte Benelli den Markt mit einem 175-cm³-Viertaktmotor mit obenliegender Nockenwelle.
Nachkriegszeit: Nach der Zerstörung des Werks im Zweiten Weltkrieg gelang 1950 der große Durchbruch: Dario Ambrosini wurde auf einer Benelli Weltmeister in der 250-cm³-Klasse.
Das „Leoncino“:** In den 1950er Jahren wurde die 125er Leoncino zum Verkaufsschlager und Symbol für den Wiederaufbau Italiens.
3. Innovation und Krise (1970er–1990er)
In den 70er Jahren übernahm der argentinische Industrielle Alejandro de Tomaso das Unternehmen. Unter seiner Führung wollte Benelli die japanische Konkurrenz (Honda, Yamaha) angreifen.
Meilenstein: 1972 präsentierte Benelli mit der 750 Sei das weltweit erste Serienmotorrad mit einem Sechszylindermotor.
Niedergang: Trotz technischer Highlights konnte Benelli der Dominanz aus Fernost wirtschaftlich nicht standhalten. Die Produktion wurde in den 80er Jahren zeitweise eingestellt.
4. Die Wiedergeburt unter Merloni (1995–2004
Der Unternehmer Andrea Merloni kaufte die Marke 1995 und setzte auf exklusive Sportmotorräder. Mit Modellen wie der dreizylindrigen Tornado Tre 900 und der futuristischen TnT 1130 kehrte Benelli optisch spektakulär zurück, blieb aber wirtschaftlich in der Nische.
5. Die moderne Ära: Chinesisches Kapital, italienisches Design (ab 2005)
Seit 2005 gehört Benelli zur chinesischen Qianjiang-Gruppe (QJ Motor).
Strategie: Die Entwicklung und das Design finden weiterhin im „Centro Stile“ in Pesaro (Italien) statt, während die Produktion in China erfolgt.
Erfolg: Diese Kombination machte Benelli wieder massentauglich. Die Reiseenduro TRK 502 war in den letzten Jahren zeitweise das meistverkaufte Motorrad in Italien und festigte das Comeback der Marke im Mittelklasse-Segment.
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Wichtige Meilensteine im Überblick:
| 1911 | Gründung der Officina Meccanica Benelli in Pesaro. |
| 1921 | Erstes Motorrad (Velomotore). |
| 1950 | Erster Weltmeistertitel (Dario Ambrosini). |
| 1972 | Vorstellung der 750 Sei (1. Sechszylinder-Serienmotorrad). |
| 2005 | Übernahme durch den chinesischen Konzern Qianjiang. |